Vom Watzmann bis zum Genfer See

•7. Oktober 2009 • 2 Kommentare

Bike-Bergsteigen durch die Zentralalpen

Die Route: in zwei großen Bögen durch die Zentralalpen

Die Route: in zwei großen Bögen durch die Zentralalpen

In 18 Tagen vom Watzmann bis an den Genfer See. Vier Hauptkammüberquerungen, 50.000 Höhenmeter, 1300km Strecke, dabei 16 mal über 2400m und 8 mal über 3000 m. Dies sind die reinen Fakten einer Überquerung der Zentralalpen per Bike. Mit einem 18kg Rad und 14kg Gepäck über Wanderpfade stapfen sind eher ungeeignete Voraussetzungen für eine sportliche Rekordjagd. Der Spassfaktor ist dagegen rekordverdächtig hoch. Dass zufällig die Hälfte der Höhenmeter bergauf mit Aufstiegshilfen erledigt wurde hilft dabei natürlich auch.

Die Zentralalpen sind ein einzigartiger Spielplatz zum Ausüben verschiedenster Sportarten. Unendliche viele Berge reihen sich in einem Gewirr von Täler, Pässen und Flüssen um die 3000 Meter Marke. Zwischen dem Startpunkt in Berchtesgaden und dem Zieleinlauf in Lausanne am Genfer See lag in zwei großen Bögen über die Dolomiten und das Monte Rosa-Massiv ein wahres Feuerwerk an spannenden Bergwegen und landschaftlichen Höhepunkten.

Der Vorteil im besterschlossensten Gebirge der Welt: in jedem Tal fährt ein Bus, jede Alm ist auf einer gut ausgebauten Straße und fast jeder Gipfel mit einer modernen Gondel zu erreichen. Einerseits schade um die Zerstörung dieser atemberaubenden Naturlandschaften, andererseits, wenn die Anlagen schon stehen, wäre es auch töricht sie nicht zu nutzen.

Die gesamte Story wurde als Livebericht erfasst und im Printmagazin outdoor guide Sommer 2010 veröffentlicht. Hier gibt’s die ultimative Zusammenfassung der 18-tägigen Biketour.

1. Tag, 13.8: Anreise nach Berchtesgaden, Saalbach

Anfahrt und einrollen, Saalbach

2. Tag, 14.8: Saalbach – Lienz

Frühstück Deluxe, Tauerncross

Warmfahren in Saalbach

Warmfahren in Saalbach

3. Tag, 15.8: Lienz – Drei Zinnen – Cortina d’Ampezzo (Rif. del Varda)

Ferragosto

Unter dem wachsamen Auge der Drei Zinnen

Unter dem wachsamen Auge der Drei Zinnen

4. Tag, 16.8: Cortina (Rif. del Varda) – Arabba – Bindelweghütte

Von Cortina nach Arabba

5. Tag, 17.8: Bindelweghütte – Bozen/Meran

Vom Karerpass zur Pizza Wagenrad

6. Tag, 18.8: Meran – Schnalstal – Bildstöckljoch – Oberetteshütte

Bike-Bergsteigen

Bike-Bergsteigen

Bike-Bergsteigen

7. Tag, 19.8: Oberetteshütte – Reschenpass – Scuol – Jamtalhütte

Futschölpaß

8. Tag, 20.8: Jamtalhütte – Galtür – Montafon

Kaiserwetter

9. Tag 21.9: Montafon – Klosters – Chur

Schmugglerglück

Schmugglerglück vom Montafon nach Klosters

Schmugglerglück vom Montafon nach Klosters

10. Tag, 22.9: Chur – Oberalppass – Cadlimohütte

Alpine Überraschungen

11. Tag, 23.9: Cadlimohütte – Airolo – Nufenenpass – Griespass – Domodossolla – Lago d’Orta

Alpine Überraschungen, Geografischer Tiefpunkt

So muss das sein.

So muss das sein.

12. Tag, 24.9: Lago d’Orta – Varallo – Alagna – Rif. Vige Vano

Wolkenmeer

13. Tag, 25.9: Rif. Vige Vano – Champoluc – Gressoney – Rif. Grande Tournalin

Auf Walserpfaden

14. Tag, 26.9: Rif. Grande Tournalin – Cervinia – Zermatt

Gletscherspaziergang

Gletscherspaziergang von Cervinia nach Zermatt

Gletscherspaziergang von Cervinia nach Zermatt

15. Tag, 27.9: Zermatt

Kaisertrails

Zermatt: Kaisertrails bei Kaisersicht und Kaiserwetter

Zermatt: Kaisertrails bei Kaisersicht und Kaiserwetter

16. Tag, 28.9.: Zermatt – Verbier

Cross-Country Einlage

17. Tag: 29.9.: Verbier

„Radfahren verboten“

Radfahren doch nicht verboten. Trailsurfen in Verbier

Trailsurfen in Verbier

18. Tag. 30.9.: Verbier – Lausanne

Kurvenende

Wohlverdiente Entspannung

Wohlverdiente Entspannung

Kurvenende

•2. September 2009 • 1 Kommentar

30.8: Verbier Genfer See

Letzter Biketag desTrips. Ein letztes Mal quäle ich mich frühmorgens aus dem Bett und schwinge mich motiviert auf den Sattel. Verbier bietet mir heute morgen noch einmal Traumwetter. Keine einziges Wölkchen finde ich am klaren Morgenhimmel.

Für den 700hm Downhill nach Le Chable wähle ich den ausgeschilderten Wanderweg ab Verbier-Zentrum. Sicher gäbe es technisch anspruchsvollere Wege hier hinunter, aber zwischen den alten Scheunen und Wohnhäuser der alten Ortsteile von Verbier mit Vollgas durchzubrausen, ist zum Wachwerden genau richtig. Immer wieder wechselt der Weg zwischen geteerten Abschnitten inmitten alter Häuser und ruppig-spassigen Pflastersteinabschnitten ab.

Von Le Chable ziehe ich nochmal den Strassenturbo. Fast durchweg bergab führt die Strasse 400hm nach Martigny. Ich bin froh, dass ich die Richtung flußabwärts nehme und nicht umgekehrt. Die Tour de France Helden hatten vor etwa einem Monat doch sicher etwas mehr zu kämpfen. Bei all den auf die Strasse gemalten Spruchbändern fühlt man sich fast wie live dabei.

Ab Martigny entscheide ich mich für die Schienenoption und löse ein Ticket bis Aigle. Von dort soll es nach kurzem Umsteigen nach Champery gehen – teil des Bikegebiets der Portes du Soleil. Ich lasse mich also in den bequemen Sitz plumpsen, nehme noch einen kurzen Schluck Wasser, und schon bin ich im Reich der Träume.

Als ich wieder aufwache blicke ich aus dem Fenster und sehe… Wasser! Schnell fangen die kleinen Rädchen im Kopf an sich zu drehen… der Genfer See! Ich muss etwas zu lange geschlafen haben, den promt verkündet die nette Zugstimme „Prochaine Arret, Montreux. Next Stop, Montreux“!

So war das eigentlich nicht geplant. Meine Uhr sagt, dass es erst 10 Uhr ist. Zu spät um zurück nach Champery zu fahren. Aber nicht zu früh um die letzten 25km nach Lausanne gemütlich am See entlang zu cruisen. Ist auch halb so wild, denn im Gebiet der Portes du Soleil kenne ich durch einige Besuche schon viele Trails. Schnell freunde ich mich mit dem Gedanken an, 25km in 6 Stunden entlagn der Genfer See Prachtpromenade nach Lausanne abzuspulen. Rekordverdächtig!

Kaum finde ich das erstbeste ruhige Plätzchen am See, plantsche ich auch schon im angenehm kühlen Nass. YES! Danach ein Nickerchen in der prallen Mittagssonne und schon rolle ich die letzten Meter nach Lausanne.

Dort erwartet mich ein befreundeter Biker zum Barbeque. Blick auf den Genfer See, Sonnenuntergang, ein kühles Bier, American Hamburger und selbstgemachte Cookies sind ein gelungener Abschluss des Trips.

Ciao, Servus, Ade, Au Revoir Alpen, bis bald.

Und ein radfreundliches „Welcome to Germany“

Willkommen daheim.

„Radfahren verboten“

•30. August 2009 • 1 Kommentar

29.8: Verbier

Heute morgen wieder früh raus, schließlich verspricht der Wetterbericht top-Fotobedingungen. Petrus muss meinen Wunsch nach nur „leichter Bewölkung“ etwas falsch verstanden haben.

Die Wolkendecke ist am frühen Morgen komplett dicht. Die Webcams für weiter oben versprechen auch kein Sonnenschein. Also erstmal gemütlich Frühstücken und schauen was der Tag noch so bringt.

Ich habe brav alles aufgegessen, und siehe da, allmählich verziehen sich die Wolken. Dabei habe ich mir beim Training und Qualifying zum Swiss Downhill Cup heute an der Ruinettes-Bahn gerade so bequeme Fotopositionen gesucht. Hilft nix. Wenn die pfeilschnellen Jungs und Mädels hier nur ihren abgesteckten Kurs befahren wollen… einer muss ja die anderen offenen Lifte nutzen.

Le Chaux mit Grand Combin im Hintergrund.

Die Gondel zum Mont Fort streikt gerade als ich ankomme. Macht nix – Panorama genießen ist angesagt! Dents du Midi, Mont Blanc Massiv und Grand Combin reihen sich vor mir auf. Formidable.

Bec des Rosses

Panorama Richtung Mont Blanc Massiv

Jetzt aber auch mal ne Runde radfahren wäre auch nicht schlecht. Unterhalb des Mont Forts auf etwa 3000 m gehts denn los. Erst auf Schotterstrasse mit einigen Freeride und Sprungeinlagen,

dann auf einem feinen flachen Trail Richtung Le Chaux.

Und weiter zur Les Ruinettes-Bahn. Von da ab nehme ich einen steilen Wanderweg nach Verbier runter. Scheint von vielen Downhillfahrern frequentiert zu werden, das Weglein. Ich kann auch nachvollziehen warum. Technisch, meist steil und mit netten abwechlsungsreicher Wegführung gehts fix durch den lichten Wald nach Verbier.

Wieder oben an der Ruinettesbahn folge ich einer Wasserleitung nach Norden. Das „Radfahren verboten“-Schild ignoriere ich bewusst. Der Weg ist traumhaft schön. Stets nur leicht abfallend muss man ständig pedalieren. Fahrtechnisch muss man nur aufpassen nicht den schmalen Weg vor lauter Traumaussicht nicht zu verlassen.

Es gibt hier keine anderen Trails. Nur die Bikeparkstrecke, die durch das Rennen gesperrt ist und diesen Trail am Bewässerungswaal. Ansonsten finde ich ausser Strassen und Schotterpisten erst im weiteren Verlauf ab einem Restaurant einen Weg. Auch die Tour du Mont Fort ist zu fast 100% Schotterpiste.

Nach meinem Eindruck befindet sich erbier trailtechnisch noch im Entwicklungssstadium. Biken ist nur im Bikepark und auf ausgewiesenen Schotterpisten erlaubt, ansonst streng verboten. Auch ich frage mich, wieso überall im Wallis Toptrails als Bikewege ausgewiesen sind, und sowieso niemand etwas gegen Biker hat. Nur hier nicht. Die Verantwortlichen haben mri jedenfalls verischert, sind um eine Änderung zu bemühen.

Schon seltsam diese Verbote hier. Dabei habe ich auch hier keine Probleme mit Wanderern. Sie machen freiwillig den Weg frei, fragen nach beezüglich Technik, Weg und Fahrweise, und feuern mich an. Wie überall. Keine Probleme bei gegenseitiger Rücksichtnahme.

Mont Fort Downhill

Wenn draussen nicht so kühl wäre, oder ich noch nicht-stinkende warme Kleidung hätte, würde ich mir die Live-Musik des Kletter-Festivals direkt anschauen. So lausche ich der französisch-rockigen Reaggaemukke einfach bei offener Balkontür und einem kühlem Panasch in der Hand vom Bett aus.

Cross-Country Einlage

•28. August 2009 • Schreibe einen Kommentar

28.8: Zermatt – Verbier

Gestern war trotz „Downhill-Only“ ein ganz schön anstrengender Tag. Daher komme ich heute nicht so recht aus den Federn. Bis 8 Uhr bleibe ich im Reich der Träume und genieße danach das erstklassige Frühstück, das gestern bei Kaiserwetter das Nachsehen hatte. Heute ist hingegen nur leicht bewölkt. Bei Nussgipfeli und schweizer Käse lade ich mir den Teller gleich mehrfach in Turmbauweise voll.

Mit Anziehen, Rucksack packen und Technik kontrollieren dauert heute alles etwas länger. So komme ich erst gegen 10 Uhr aus dem Hotel. Zu meinem Bedauern zu spät für eine oder mehrere Runden hier auf den flowigen Trails. Dabei habe ich das Rothorn mit 4Cross und Downhill-Strecke nicht einmal befahren. Auch den etwas alpineren Europaweg nach Täsch muss ich auslassen.

Ich habe schließlich noch die 30km Abfahrt ins Rhonetal nach Brig und von dort eine Zugfahrt nach Sion vor mir. Ab da geht es noch einmal 10km im heißen Rhonetal nach Riddes – Startpunkt für den zweiten Teil des Radtages.

Damit ist klar, dass der ebenso interessante Zwischenteil des Wallis für diese Tour ausfällt. Da ich vor wenigen Wochen aber erst hier einige Tage mit Bike verbracht habe, empfinde ich dies nicht als tragisch. Crans-Montana mit seinen aussichtsreichen Downhill-Strecken und beispielsweise das Val d’Anniviers gäbe es hier zu beradeln.

„Geheimtipp“: Mit Gondel auf die Cret du Midi oberhalb Vercorin, etwa 1,5h Aufstieg zum Col du Cou und dann „brasilianisch“ über Nax 2000hm ins Rhonetal rauschen.

Ich habe mir für das westlichere Wallis in Verbier die Tour du Mont Fort herausgepickt. Von Riddes soll es mit Gondel nach Iserables gehen. Ab hier sind es 300hm Uphill nach Nendaz. Von dort wiederum mit Lift und über leicht abfallenden Forstweg nach Siviez. Mit weiteren Liften geht es bis an den Fuß des beeindruckenden Mont Fort – höchster Punkt des Skigebiets von Verbier/ 4Vallees.

Soweit der Plan. Vor Ort haben die Lifte der Tour du Mont Fort dann aber nur am Wochenende geöffnet. Leider zählt auch im Wallis der Freitag nicht zum Wochenende. Planungsfehler. Ein Alternativweg muss her.

Lift nach Verbier fährt heute keiner, Mist. Hier in Nendaz aber schon. Also ertsmal den Kopf frei bekommen und eine Downhill-Runde 🙂 Bei toller Aussicht auf Rhonetal, Leytron und Chablais rolle ich nach La Tzouma. Von dort gehts mit motorisierte Unterstützung nach Verbier.

Nendaz

Aussicht Nendaz/ Tzoumaz Richtung Mont Blanc

Aussicht Tzoumaz

Morgen ist in Verbier ein Downhill-Rennen der Schweizer Meisterschaft. Dementsprechend junges Publikum schlendert durch die Strassen und präsentiert sich mit den entsprechenden Sportgeräten.

Direkt hinter dem Hotel ist zudem Open Air Party. Und im Pub Mont Fort soll es sich am Wochenende mit der englischen Schickeria auch ganz nett feiern lassen – zumindest pfeifen dies die Spatzen von den Balkonen der unzähligen Privatchalets. 😉

Kaisertrails

•27. August 2009 • Schreibe einen Kommentar

27.8: Zermatt

Heute gönne ich mir einen kompletten Tag im eidgenössischen Vorzeigeort Zermatt. Lifte und Gondel hats hier reichlich, die Berge sind wahrlich von kaiserlichen Ausmassen und bei gutem Wetter einfach nur traumhaft schön.

Der Wecker reisst mich um 6.40 Uhr aus dem Schlaf. Puh, so früh… ob sich das lohnt. Ich quäle mich dennoch die 3m zum Fenster, öffne die Balkontüre und blicke auf einen wolkenfreien Matterhorngipfel. Nochmal reibe ich mir ungäubig die Augen. Ja, tatsächlich. Der Wettergott meint es heute besonders gut mit mir.

Also schnell die (mittlerweile sehr „speziell“ riechenden) Klamotten angezogen, zum Frühstücksbuffet gesprintet, 2-3 Brötchen mit ein bisschen warmer Milch und einem Kaffee runtergespült, und schon kanns losgehen. Nein, nicht ganz. Ich muss noch den biestigen Reifen abziehen, und einen ebenso biestigen Downhill-Drahtreifen wieder aufziehen. Natürlich schlitze ich beim ersten Versuch den neuen Mantel aufzuziehen, den Schlauch auf, suuuuhuuuper. Dann eben mit platten Reifen schnell zur Gornergratbahn gerollt. Gerade so erwische ich die 8.00 Uhr Bahn.

Hat ja alles prima geklappt. Oben bei Wahnsinnsaussicht und nur ganz wenigen frühaufstehenden Asiaten genieße ich denfreien Blick auf die fantastische Bergwelt! Kein einziges Wölkchen am Himmel.

Nach erfolgreichem Reifenwechseln fahre ich zunächst zum wohl bekanntesten Motiv aus Zermatt: der Riffelsee. In ihm spiegelt sich bei Windstille das wolkenfreie Matterhorn. Zu so früher Stunde sind kaum weitere Touristen hier oben und es weht nur eine ganz leichte Brise. Fotografisch ein Traum 🙂

Der erste Downhill führt mich immer entlang der Bahntrasse Richtung Riffelalp. Oben flowig, Mittelteil technisch, kurzer ausgesetzter Höhenweg, unten Vollgas Waldtrail. YES, so muss das sein. Genau so!

Also sofort wieder rauf mit der Bahn. Von der Bergstation Gornergratdiesmal von oben gesehen rechts der Trasse bis nach Riffelberg. Uiuiui, oben schön breit um mit den mitlerweile vielen Wanderern nicht in die Quere zu kommen, unten dann fast frei von Wanderern (die meisten laufen nur bis zum RIifelsee und wieder zur Bahn zurück) und richtig sahnig!

Weils so schön ist, gleich nochmal!!! 🙂

Diesmal nehme ich aber den Abzweig Richtung Grünsee. Ab hier begegnet mir kaum noch Fussvolk. Der Trail wechselt zwischen leichten runden Abschnitten (im oberen und unteren Teil) und einem technisch schwierigen und leicht ausgesetzen Mittelteil. Hier lasse ich die Kuh so richtig fliegen – bis die Bremsscheiben glühen!

Ich merke gar nicht wie schnell der Tag vorbeigeht. Es ist schon fast 14 Uhr. Zeit für eine kurze Rast hier bei nun leichten aufkommenden Wolken.

Als letzte Fahrt für heute entscheide ich mich für das Schwarzhorn (das Rothorn steht morgen früh auf der Agenda…) und den Kristallweg. Ich treffe den Weg nicht genau, dafür wieder einen top-Wanderweg, der zwischen technischen und Vollgas-Passagen schön abwechselt. Immer unter dem wachsamen Auge des Matterhorns.

Ich bin nun ganz schön platt. Die Höhenmeter habe ich nicht gezählt, es dürften aber trotz der ausgedehnten Fotostopps einige zusammengekommen sein. Heute abend ist dann entspannen angesagt… oder doch in eine der vielen Bars… oder doch nochmal eine Bahn hoch zum Gornergrat und eine Sonnenuntergangs-Fahrt…?

Gletscherspaziergang

•27. August 2009 • 1 Kommentar

26.8: Valtournenche, Cervinia, Zermatt

Vom Rifugio Grand Tournalin mache ich mich die restlichen 250hm zum Col di Nana auf. Trotz kleiner Klettereinlage ist der Weg recht einfach zu begehen, und bergab auch bis auf wenige Stellen perfekt fahrbar. Ohne große Orientierungsprobleme folge ich ganz easy der Beschilderung dem Weg mit der Beschilderung „1“.

Den Abzweig zum Walser-Höhenweg nach Cervinia, der mit 4h Wanderzeit angegeben ist und eine Schwierigkeitsstufe höher (EE) angesiedelt ist, nehme ich nicht. Statt dessen gehts auf rutschigen aber toll fahrbaren Waldtrail steil nach Valtournenche bergab.

Den Bus nach Cervinia verpasse ich um wenige Minuten. Bleibt Zeit für ein leckeres Panini Prosciutto und ein Pizzastück. Direkt im Anschluss werden die Kalorien wieder auf den 550 Höhenmetern Strassenuphill nach Cervinia innerhalb 1 Stunde verbrannt.

Auch hier hängen dicke Wolken in den (vermutlich) traumhaften schönen Bergriesen. Nur kleine Wolkenlücken geben manchmal einen beschränkten Blick nach oben frei.

Mit der Gondel und einer Ausnahmegenehmigung im Gepäck, geht es binnen weniger Minuten auf das Plateau Rosa, dem Übergang in die Schweiz und nach Zermatt.

Ganz schön frisch hier auf 3450 m! Eine Bergsteigergruppe, die auf dem großen Walserweg unterwegs sind, geben mir noch kurz die Bedingungen für den anstehenden Gletscherdownhill durch. Oben Schnee auf heute wegen Regen geschlossener Piste. Unten gemütlicher Spaltenfreier Spaziergang auf blankem Eis.

Nichts wie rein ins Gletschervergnügen! Auf der oberen „roten“ Piste ist im flachen Teil nicht an fahren zu denken.

Ich sinke mit den Rädern etwa 20cm ein, beim Treten dreht das Hinterrad nur durch. Also erstmal laufen bzw. in Laufradtechnik vorankriechen.

Es wird steiler. In einer 5cm schmalen Frässpur eines Schneemobils komme ich nun gut voran. Zwar habe ich beide Beine zur Stabilisation ausgestreckt, mache aber schon gut Strecke auf dem jetztigen „Steilstück“. Die wenigen Bergwanderer und der Pistendienst schauen mir verdutzt nach.

Allerdings ist auch hier auf der Skipiste vorsicht geboten. Eine handvoll Spalten muss ich so hüpfend oder mit Tempo schnell überfahren. Dabei kommt mir zu Gute, dass die Schneedecke unterhalb der oberen 20cm Matsch noch komplett fest und stabil ist.

Ab Bergstation Gandegglift wird der Gletsche flacher. Die Schneedecke hört recht apprupt auf. Von hier ab fahre ich fast auf blankem Gletschereis weiter. Dank des Albeldo-Effekts sammelt sich hier aber reichlich Gestein und Schmutz auf dem rauhen Gletscheis. Optimaler Grip!

Zwischen unzähligen kleinen Gletscherbächen komme ich zügig voran. Machte einen riesen Spass, dieses Gletscherbiken! Spalten sehe ich hier im flachen Teil keine einzige mehr. Dennoch bleibe ich unter der Lifttrasse bzw. in der Spur der Pistengeräte und erreiche in wenigen Minuten den Trockenen Steg (Bergstation).

Hier genieße ich kurz die Aussicht auf Zermatt, un stürze mich gleich wieder den Trail runter. Flowiger Abschnitte wechseln sich hier oben mit Felsenstufen ab. Auch über einige Slickrocks darf ich hier mal gemütlich, mal anspruchsvoll rollen.

Etwa 900 Höhenmeter oberhalb von Zermatt, der Weg geht gerade zu einem erdigen Abschnitt über: ein zischender Knall am Vorderrad. Der aus dem Mantel stehende Schlauch ist nun doch geplatzt. War eigentlich nur eine Frage der Zeit. Schießlich sind vor etwa 6 Tagen hier einige Stollen ausgerissen – wobei dies bei „normaler“ Fahrt passiert sein muss – und dabei wurde wohl auch der Mantel beschädigt.

Den biestigen Schwalbe Freeride-Mantel womöglich vergeblich zu wechseln, wollte ich bei einsetzendem Regen nicht. Also 900hm bergab wandern.

Im erstbesten Radladen versuche ich Ersatz zu bekommen und den Mantel als Garantiefall zu reklamieren. Man kann mir nur einen Trocken-Downhillreifen anbieten. Im nächsten Shop klappts dann aber. Geben wir mal dem Maxxis HighRoller eine Chance – mein Budget schreit bei der UVP allerdings lautstark um Hilfe. Abendessen heute also nicht im Restaurant (leckeres Fondue für 23.-sFr), sondern wieder Bier, Cola, Brot, Käse und schweizer Spezialitäten-Süßkram. Morgen soll das Wetter gut werden. 🙂

Wolkenmeer

•26. August 2009 • 1 Kommentar

24.8: Alagna

Nach kurzem Espresso verabschiede ich mich morgens mit einem „Mille Grazie“ von Maria und Alberto und dem Lago d’Orta

Über den Passo del Colma vernichte ich bis mittags 700hm und einige Kilometer bis ich Varallo erreiche. Der Bus nimmt dort allerdings keine Bikes mit. Wieder solle ich laut den Maestros mich nicht so anstellen und die 40km nach Alagna hochtreten.

Meine Motivation wird auch nach einer ausgeprägten Verpflegungsrast nicht besser. Ich beschließe es per Autostop zu versuchen. Dabei habe ich voerst kein Glück. Die wenigen Autos, die groß genug für mich und Bike wären, winken ab.

14.30 Uhr gebe ich mir als Deadline – wenn bis dahin niemand anhält gehts eben nicht über Alagna, sondern mit Zug direkt nach Valtournenche-Cervinia. 30 Sekunden vor der Deadline packe ich meine Sachen, hebe aber noch einmal den Daumen. Plötzlich bremst es hinter mir stark. Manuel, ein „Almbewirtschafter“ um die 35 Jahre alt, nimmt mich in seinem Arbeitsgefährt, ein leicht in die Jahre gekommener Jeep, mit.

Oberkörperfrei, mit dicker schwarzer Ray Ban Sonnenbrille öffnet er mit einem beherzten Tritt an die Stoßstange die Heckklappe. Schnell rein das Bike und der Radler. Etwa 40 Minuten Reifenquitschen später wieder ein Tritt gegen die Stoßstange, Bike raus aus dem Auto. Thanks for the Ride, Manuel. Ich überlasse ihm mein deutsches Hopfengetränk als Wegzehrung und hüpfe gleich rein in die Gondel auf den Passo Salati auf knapp 3000 Metern.

Zu meiner rechten Seite erhebt sich hier das imposante Monte Rosa Massiv – zumindest theoretisch. Heute verhüllt leider eine dicke Wolkenwand jeglich Fernsicht. Teilweise sehe ich keine 10 Meter weit, so dicht sind die durchziehenden Wolkenfelder.

Vom Passo Salati rolle ich langsam bergab durch die Nebel- und Steinwüste. Ich fühle mich leicht unwohl hier. Sicht bis zum letzten Noppen des Vorderrads, bedrückende Luftfeuchte und sonst nur glitschige Steinwüste unter mir. Nach 2 Minuten komme ich zu zwei Refugios. Das Refugio Gugliemina strahlt in hellem orange und ist privat bewirtschaftet. Übernachtung mit Halppension kostet hier 50.-. Ich frage den Chef ob es nicht etwas billiger gehe, mit Matratzenlager vielleicht. Der Maestro zeigt mit ausgestrecktem Arm leicht nach links, hier in 15 Metern sei eine Alpenvereinshütte.

Ich glaube ihm mal, und siehe da, kurz bevor ich dagegenfahre, sehe ich 5 Meter vor mir eine betagte aber urige CAI Hütte Vige Vano.

Schon beim einchecken merke ich, dass hier, mitten im Skigebiet nicht gerade volles Haus herrscht. So sitze ich dann zwei Stunden später nur mit den Hüttenwirten Matteo und Alberto am Abendtisch. Kein weiterer Gast verirrt sich heute hierhin.

Zum Dinner gibt es Bruschetta, Pasta, Schnitzel mit Käse, Speck, und Schokokuchen. Den vollmundigen Rotwein aus dem Piemonte und den Grappa „Liquirizia“ lasse ich bei kurzen Wolkenfenster mit wahnsinns Aussicht auf das Monte Rosa Massiv und das unter uns liegende Wolkenmeer schmecken. Auch ein Steinbock zeigt sich nur wenige Meter von der Hütte entfernt.