Geografischer Tiefpunkt

23.8: Nufenenpass – Lago Orta

Servus Italia! Ich steige aus dem Postbus auf der Nufenenhöhe aus. Vom hier soll es mich fast gänzlich auf einer Gerade gen Süden führen. Um bei den Rennradlern Eindruck zu schinden schleiche ich schnell vom Bus weg und tue so als sei ich total fertig vom Bergaufradeln mit dem schweren Freeride Bike – prompt werden mir anerkennde Gesten zugeworfen ;)

Kurz bei anderen Wanderern nach dem Weg erkundet, und schon bin ich nach kurzer Teerabfahrt auf dem Forstweg zum Griespass. Nach ganz wenig schieben, ein bisschen hoch und runter, schauen mir die Gletscher und die wenigen Wanderer beim flowigen Downhill zu.

Ein paar Bilderchen fürs Familienalbum werden natürlich auch geschossen, bevor ich an Stausee und einem Wasserfall vorbei, den fast durchweg fahrbaren Griesweg hinunterrausche.

Am Ende des höhenintensiven Wanderweges erblicke ich ein Strassenschild: “Domodossolla 40km”. Uiuiui. Aber gut, muss wohl so sein.

Irgendwann lacht mich von links nach etwa 30km eine Bar mit wenigen Einheimischen an. Ich gönne mir einen Cafe, Croissant, Eis und eine Cola. Der Wirt ist ganz begeistert von meinem Outfit und Radl, so dass ich ihm die ganze Tour erklären muss. Er gibt mir daraufhin Tipps zu Weiterfahrt und wir schwelgen kurz gemeinsam vom Couloir Marinelli (2000hm Rinne von der Mont Rosa Ostwand), das wir beide noch unbedingt mit Ski befahren wollen.

In wenigen Minuten erreiche ich den Bahnhof Domodosolla. Der nette Herr am Schalter hört sich meine Frage zur Fahrt Richtung Lago Maggiore in sehr gebrochenem italienisch an. Plötzlich fängt er an wild zu gestikulieren und gibt mir zu verstehen, dass ich mein Bike zum Fahren habe und mich jetzt nicht die paar Kilometer in den Zug setzen solle. Er wirft mir noch einen vermutlich frei erfundenen Preis von 20.- Euro für die 20km Fahrt zu. GLaube ich ihm mal und schwinge mich wieder auf den Sattel.

Also gut, weiter nach Süden Richtung Lago Maggiore. Dumm nur, dass sich die Strasse wie Kaugummi zieht. Aus den “venti” Kilometern werden dann doch schnell weitere 40km bis ich einen offenen Supermercato kurz vorm Lago finde. Statt mich mit Bike einkaufen zu lassen, begleitet mich ein Sicherheitsmann direkt nach dem Eintreten nach draussen. Er will mich aber nicht rausschmeißen, sondern passt draussen auf das Rad auf, während ich meine Reserven aufrüste. Was für ein Service! Zu meinem weiteren Glück hat die Sportkette nebenan sogar passende Bremsbeläge zu einem guten Tarif.

Es sollte sogar noch besser kommen heute abend… Statt zum Lago Maggiore rolle ich weiter nach Omegna am Lago d’Orta – geografisch gesehen der tiefste Punkt der Reise auf ca. 300 m ü. NN.

Heute abend wird hier großes Sommerfeuerwerk sein, dementsprechend voll ist die Stadt. Daher scheint es kaum freie Unterkünfte zu geben. Nach wenigen Versuchen mit Urlaubern spreche ich eine Dame bei der Gartenarbeit an, ob sie eine Unterkulunft wisse. Wenige Minuten später sitze ich bei ihr und ihrem Bergsport begeistertem Mann am Abendtisch. Risotto, Omelette, Cafe, freien Blick auf das imposante Feuerwerk und eine vollständig eingerichtete Etagenwohnung für mich alleine sind heute für mich gratis.

Viva Italia!

~ von romarius - 24. August 2009.

Eine Antwort to “Geografischer Tiefpunkt”

  1. [...] Überraschungen, Geografischer Tiefpunkt So muss das [...]

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